Zusammen gegen Antisemitismus

Im Folgenden handelt es sich um einen Redebeitrag der Gruppe IWG zur Kundgebung „Zusammen gegen Antisemitismus“ in Bremen am 22.07.2014:

Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Freundinnen und Freunde,

in den Vorbereitungen zu dieser Kundgebung kam die Frage auf, ob sich eine Kundgebung gegen Antisemitismus ausrichten lasse, ohne auf den Nah-Ost-Konflikt einzugehen.
Gegenfrage: Bedarf es wirklich einer Analyse der Geschehnisse in Israel und den palästinensischen Gebieten, um die Ereignisse der letzten Tage als antisemitische Übergriffe wahrnehmen und kritisieren zu können? Was haben die Auseinandersetzungen in Gaza damit zu tun, dass hier in Deutschland Juden beschimpft und bedroht werden? Primär doch erst einmal nichts!
Zugegeben: Die Antisemit_innen vom Bremer Friedensforum zu kritisieren, ohne Israel und „doppelte Standards“ zu erwähnen, ist ziemlich schwierig, eigentlich unmöglich. Aber zu fragen ist doch, ob es den Demonstrierenden, die sich „Freiheit für Palästina“ auf die Fahnen schreiben auch tatsächlich um den neuerlichen Konflikt geht.
So mutet es doch eher an, dass sie den Konflikt bloß zum Anlass nehmen und jetzt ihre Chance wittern auf den Straßen gegen Jüdinnen und Juden zu hetzen. Und das können sie doch nur, weil sie davon ausgehen, dass ihr propagierter Antisemitismus von der Mehrheit akzeptiert oder zumindest ignoriert wird. So stoßen sie mit ihren antisemitischen Parolen und ihrem unüberhörbarem Hass auf alles, was jüdisch ist, auch auf offene Ohren in der deutschen Gesellschaft. Letztere verschanzt sich hinter der Aussage, dass man ja wohl noch Israel kritisieren dürfe. Aber diesem Mob geht es nicht vornehmlich um eine Kritik an der israelischen Politik! Sie suchen bloß eine Legitimation ihren Judenhass in die Öffentlichkeit zu tragen. Und was bietet sich in der deutschen Gesellschaft mehr an, als eine Kritik an Israel?
Einen erheblichen Anteil an dem Mobilisierungserfolg hat sicherlich der zirkuläre Fluss von Video- und Fotomaterial in den sozialen Netzwerken des Internets, welches oft eindeutig gefaked ist und eine ganz klar aufhetzende Intention hat.
Die Menschen, die derzeit jeden Tag in Massen durch Städte, wie Bremen, Essen, Göttingen, Hannover und Berlin ziehen, haben nicht den blassesten Schimmer, was in Israel und den palästinensischen Gebieten wirklich passiert. Es ist ihnen auch vollkommen egal und letzten Endes geht es ihnen auch nicht um Frieden. Unter dem Deckmantel der sogenannten Israelkritik leben sie ihre antisemitische Hetze auf der Straße aus. Im Gegensatz zu den antisemitischen Äußerungen des Bremer Friedensforums, die sich seit einigen Jahren auf dem Bremer Marktplatz zusammenfinden, um gegen ihr Feindbild Israel zu wettern, agieren die Akteure des antisemitischen „Free Gaza“-Mobs noch unverblümter. Sie schrecken nicht davor zurück jüdische Institutionen zu belagern, Gegendemonstrant_innen tätlich anzugreifen, Jüdinnen und Juden zu bedrohen, Synagogen zu attackieren, sowie jüdische Denkmäler zu beschmieren.
Es macht uns fassungslos, dass sich in Deutschland Menschenmassen zusammenfinden, die menschenverachtende und antisemitische Parolen skandieren, Hitlergrüße zeigen und jüdische Gemeinden ihre Sicherheitsvorkehrungen verschärfen müssen, weil sie um ihr leibliches Wohl und ihre Institutionen fürchten müssen.
Wir müssen uns dieser antisemitischen Gefahr gewahr werden, die Lage analysieren und eingreifen, anstatt die Füße hochzulegen und zu denken, dass sich der antisemitische Mob wieder verziehen wird.